01.02.2012

Investorenumfrage - Wachstum gesucht: Deutschland und Polen als Gewinner der Schuldenkrise gesetzt


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Umfrage, Immobilienmärkte, Investitionsklimastudie, Olaf Janßen, Ipsos




Aus dem Unternehmen
• Europäische Immobilien-Investoren erwarten „lange Phase der Unsicherheit“
• Investitionsklimaindex knickt ein
• Hohes Vertrauen in deutschen Immobilienmarkt

Die Schuldenkrise in Europa wird zum Stresstest für die europäischen Immobilienmärkte - und zwingt Investoren zur Neujustierung ihrer Anlagestrategie. Vom gestiegenen Sicherheitsbedürfnis dürfte insbesondere Deutschland profitieren: Wie keinem anderen Land in Europa trauen die Investoren Deutschland zu, die Folgen der Euro-Krise auf den heimischen Immobilienmarkt weitgehend abzufedern.

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Investitionsklimastudie von Union Investment, für die in Deutschland, Frankreich und Großbritannien 167 Immobilieninvestoren befragt wurden. Darin zeigt sich jeder zweite Investor (49 Prozent) überzeugt, dass der deutsche Immobilienmarkt sogar gestärkt aus dem aktuellen Zyklus hervorgehen wird; an eine einschneidende Schwächung des deutschen Marktes in Folge der Euro-Krise glauben gerade einmal 3 Prozent der europäischen Immobilienprofis. Einen souveränen Umgang auf den „Stresstest Schuldenkrise“ erwarten sich die Investoren daneben nur noch einhellig von Polen - 38 Prozent der Befragten glauben, dass der polnische Markt gestärkt aus dem Zyklus hervorgehen wird -, der Türkei (31 Prozent), Schweden (29 Prozent) und der Schweiz (25 Prozent). Für die Immobilienmärkte Frankreich, Großbritannien und Niederlande ermittelte die Untersuchung demgegenüber eine breite Spreizung der Erwartungen: Hier gehen ebenso viele Investoren von einer Stärkung wie von einer zusätzlichen Schwächung im aktuellen Zyklus aus. Bei den Ländern der südlichen Peripherie - insbesondere bei Portugal und Spanien, das die befragten Investoren als Risikomarkt Nummer 1 für die nächsten zwei drei Jahre einstufen - dürfte die Schuldenkrise nach Ansicht der Investoren mit besonderer Härte auf die lokalen Immobilienmärkte durchschlagen. „Die Entkoppelung der stabilen Märkte im Norden Europas von den Wackelkandidaten im Süden wird durch die Schuldenkrise noch einmal beschleunigt. Die Unsicherheit lastet jedoch auch auf den Märkten, die sich augenblicklich noch in einer guten Verfassung befinden“, sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilien Research bei der Union Investment Real Estate GmbH, Hamburg.

Kapitalanforderungen an Investoren steigen
Gefragt nach den mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Schuldenkrise, stellt sich mit 78 Prozent die deutliche Investorenmehrheit auf eine „längere Phase der Unsicherheit auf allen europäischen Immobilienmärkten“ ein. In diesem Zusammenhang erwarten jeweils 90 Prozent eine „stärkere Konzentration der Investments auf die stabilen nordeuropäischen Märkte“ sowie - korrespondierend hierzu - eine „Verstärkung des Nord-Süd-Gefälles“. Eine ebenso deutliche Mehrheit (88 Prozent) sieht höhere „Kapitalanforderungen an Investoren“ auf sich zukommen. Die Gefahr einer „neuen Kreditklemme“ (72 Prozent) wie „steigender Steuern“ (77 Prozent) wird in Frankreich mit einer Zustimmung von 86 Prozent bzw. 100 Prozent überproportional stark gesehen. Immerhin 68 Prozent der Gesamtbefragten glauben, dass im Verlauf der Schuldenkrise die Nachfrage nach „opportunistischen Investments“ steigen wird; eine „Rezession in allen Teilen Europas“ halten demgegenüber nur 39 Prozent der Investoren für ein wahrscheinliches Szenario. „Auch wenn ein Teil der europäischen Immobilienmärkte teilweise von den Turbulenzen verschont bleiben dürfte, werden die signifikant gesunkenen Erwartungen auf der Investorenseite dazu führen, dass 2012 in Europa ein geringeres Transaktionsvolumen als im Vorjahr zu verzeichnen sein wird“, sagt Olaf Janßen. Diese Einschätzung wird von den Teilnehmern der Studie mehrheitlich bestätigt: 57 Prozent der Investoren erwarten in Folge der Schuldenkrise kurz- bis mittelfristig einen "Rückgang der grenzüberschreitenden europäischen Immobilientransaktionen“. Während die „stärkere Konzentration der Investoren auf Core-Produkte“ mit 87 Prozent die erwartet hohe Zustimmung erhielt, deuten die Umfrageergebnisse nicht darauf hin, dass einzelne Nutzungen von der Euro-Krise in besonderem Maße profitieren werden. Eine "steigende Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien“ infolge der Schuldenkrise erwarten lediglich 31 Prozent der befragten Investoren.

Gesunkene Erwartungen lassen Klimaindex einknicken
Wie die Untersuchung zeigt, hat sich das Klima für Immobilieninvestments in den drei großen europäischen Volkswirtschaften in den letzten sechs Monaten unterschiedlich stark eingetrübt. Der von Union Investment ermittelte Immobilien-Investitionsklimaindex fiel in allen drei Befragungsregionen, wobei die Reaktion in Frankreich mit einem nochmaligen Rückgang von -7,7 Punkten gegenüber der letzten Erhebung im Sommer 2011 auffällig stark war. In Großbritannien (-5,3 Punkte) und Deutschland (-4,6 Punkte) knickten die nationalen Indizes nicht ganz so stark ein.

Der in Deutschland gemessene nationale Index liegt zwar mit 67,7 Punkten weiterhin deutlich über den in Großbritannien (62,9 Punkte) und Frankreich (60,2 Punkte) ermittelten Klimawerten. Nachdem der Trendpfeil jedoch in Deutschland seit 2009 durchgängig nach oben gezeigt hat, hat der Index jetzt auch hier seinen Peak hinter sich gelassen. „Obgleich der Aufschwung an Dynamik verloren hat, präsentiert sich der deutsche Immobilienmarkt weiterhin in guter Verfassung. Deutschland ist aber keine Insel - die Verwerfungen durch die Eurokrise tragen dazu bei, dass viele deutsche Investoren ihre Erwartungen gebremst haben und die nächsten zwölf Monate mit der gebotenen Vorsicht angehen“, so Janßen.

Anlagen suchen Sicherheit
Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Unsicherheiten in weiten Teilen Europas haben sich auch die Anlagemotive der europäischen Immobilieninvestoren verschoben. Für 55 Prozent der deutschen Immobilieninvestoren ist „Sicherheit“ jetzt das wichtigste Anlagemotiv, weit dahinter rangieren „Rendite“ (28 Prozent) und „Liquidität“ (8 Prozent). Vor sechs Monaten stand „Sicherheit“ noch bei 33 Prozent der deutschen Investoren im Zentrum der Anlageentscheidung; „Rendite“ war für 43 Prozent am wichtigsten. Die traditionell starke Sicherheitsorientierung der deutschen Investoren bleibt damit auch 2012 signifikant über den in Frankreich (32 Prozent) und UK (9 Prozent) festgestellten Werten. Bei den Briten bleibt „Rendite“ - mit überraschend hohen 84 Prozent - auch in einem schwierigen Konjunkturumfeld das zentrale Anlagemotiv.

Zur Union-Investment-Umfrage:
Der Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment wird seit 2005 (seit Frühjahr 2008 halbjährlich) unter den europäischen Immobilieninvestoren erhoben. Der Index berechnet sich aus den vier Teilindikatoren „Marktstruktur“, „Rahmenbedingungen“, „Standortbedingungen“ und Erwartungen“, die mit jeweils 25 Prozent gewichtet werden. Für den Index befragte das Marktforschungsinstitut Ipsos im Zeitraum Dezember 2011 bis Januar 2012 insgesamt 167 Immobilienunternehmen und institutionelle Immobilienanleger in Deutschland, Frankreich und Großbritannien repräsentativ in ca. 20-minütigen Telefoninterviews.

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